The designs of "gender glitch" act as disruptive impulses that destabilize gender relations and make it possible to experience the changeability of social power relations.

Social genders are constructed, they are thus the subject of design. Designers play a central role in the reproduction and solidification of gender structures and thus in the unequal distribution of power. This project explores the possibilty of design to manipulate these structures.
While our structures seem deadlocked, they are not unchangeable. The aim is to convey the idea that there is no "natural" order in society that we have not created ourselves and that we cannot help to shape and reshape ourselves. 
Five objects have been created that have either an empowering or a disempowering character, relative to the position of power assumed in society. 
Through a physical approach, possibilities for action are fundamentally expanded or restricted and thus the person's sense of power is manipulated over a bodily approach.


Die zu gender glitch (in etwa, Geschlechter Störung) entstandenen Entwürfe fungieren als Störimpulse, die Geschlechterverhältnisse destabiliseren und die Veränderbarkeit gesellschaftlicher Machtverhältnisse erfahrbar machen.

Soziale Geschlechter werden konstruiert, sie sind somit Gegenstand von Design. 
Gestalter*innen spielen eine zentrale Rolle bei der Reproduktion und Verfestigung der Geschlechterverhältnisse und somit der ungleichen Machtverteilung. Dieses Projekt erforscht die Möglichkeiten des Designs, diese Verhältnisse zu manipulieren.
Nur weil Strukturen festgefahren sind, sind sie nicht unveränderbar. Es soll vermittelt werden, dass es in der Gesellschaft keine „natürliche“ Ordnung gibt, die wir nicht selbst geschaffen haben und die wir nicht auch selbst mit- und umgestalten können. 
Es sind fünf Objekte entstanden, die entweder einen ermächtigenden oder entmächtigenden Charakter haben, relativ zur eingenommenen Machtposition in der Gesellschaft. 
Über eine körperliche Herangehensweise werden Handlungsmöglichkeiten grundsätzlich erweitert bzw. eingeschränkt und somit das Machtgefühl der Person über die körperliche Ebene manipuliert.​​​​​​​
blickfang

"Blickfang"redirects the piercing "male gaze" back to the body of the person that sends it out.
 "Blickfang" kehrt die stechenden Blicke des "Male Gaze" auf den eigenen Körper um.

"Blickfang" (german: eye catcher) deals with the topic of the "male gaze", which describes the act of depicting women and the world from a male (white), heterosexual perspective. 
The objects, are directed at men or persons in a higher position of power. One of the objects restricts the forward view. Hereby the power manifested by the gaze is lost. At the same time the corset of reified gazes makes the restrictive effects of the male gaze on the observed person tangible. The piercing, otherwise immaterial gaze is reified with transparent cones ending in cannula tips. The needles demonstrate the value judgments introduced by the gaze, which are slowly internalized through socialization and at some point are given back again as a gaze.
Blickfang behandelt das Thema "Male Gaze”, welches den Akt der Darstellung von Frauen und der Welt aus einer männlich (weißen), heterosexuellen Perspektive beschreibt.
Die Objekte, richten sich an Männer oder Personen in einer höheren Machtposition. Eines der Objekte schränkt den nach vorne gerichteten Blick ein. Hiermit geht die Macht, die sich durch den Blick manifestiert verloren. Das Korsett aus verdinglichten Blicken lässt gleichzeitig die einschränkenden Auswirkungen des Male Gaze auf die Betrachteten am eigenen Leib spürbar werden. Der stechende sonst immaterielle Blick wird mit transparenten Kegeln verdinglicht, die in Spitzen aus Kanülen enden. Die Kanülen sollen die durch die Blicke introjezierten Werturteile verdeutlichen, die man durch die Sozialisation langsam verinnerlicht und irgendwann wieder selbst als Blicke abgibt.
mantis

"Mantis" manipulates the body posture for a heightened sense of power.
"Mantis" manipuliert die Körperhaltung für ein erhöhtes Machtgefühl.

The object Mantis is meant to give women or people in low positions of power a feeling of self-confidence, it has an empowering effect.
It forces the wearer into a wide leg position, arms protruding from the body, straight shoulders and a forward looking gaze.
The restrictive character is reinforced by the materiality, while the curved forms are intended to detach the impression of the object from male characteristics.

Das Objekt Mantis soll Frauen, bzw. Menschen in niedrigen Machtpositionen das Gefühl von Selbstbewusstsein ermöglichen, es wirkt ermächtigend.
Es zwingt die*den Träger*in zu einer breiten Beinhaltung, zu vom Körper abstehenden Armen, geraden Schultern und einem nach vorne gerichteten Blick.
Der restriktive Charakter soll hier durch die Materialität verstärkt werden, während die geschwungenen Formen die Anmutung des Objekts von männlichen Eigenschaften lösen soll.
aroom

"Aroom" provokes male vulnerability.
"Aroom" provoziert männliche Verletzlichkeit.

Aroom (farsi: slow, gentle) deals with the subject of vulnerability and aims at disempowering the "stronger" sex. 
The goal is to dissolve the hierarchy of rationality over emotionality, in the broader sense of mind over body. Through the breaking open of the inner protective armour, which masculine socialized persons often build in order to maintain the gender difference, space for authentic emotionality should be created. The object should evoke the sense of loss of control by restricting the mobility of the hand. This loss of control should lead to increased awareness, more mindfulness and finally to sensitization. Glass spheres set in silver and placed on the fingertips are held in place by fragile link chains on a silver bracelet on the joint. 
Aroom (Farsi: langsam, sanft) setzt sich mit dem Thema Verletzlichkeit auseinander und dient der Entmächtigung des „starken“ Geschlechts. 
Ziel ist die Auflösung der Hierarchie von Rationalität über Emotionalität, im weiteren Sinne von Geist über Körper. Durch das Aufbrechen des inneren Schutzpanzers, den männlich sozialisierte Personen oft aufbauen, um die Geschlechterdifferenz aufrecht zu erhalten, soll Raum für authentische Emotionalität entstehen. Das Objekt soll durch die Mobilitätseinschränkung der Hand das Gefühl des Kontrollverlusts hervorrufen. Dieser Kontrollverlust soll zu einer erhöhten Wahrnehmung, mehr Achtsamkeit und schlussendlich zu einer Sensibilisierung führen. In silber gefasste Glaskugeln, die auf die Fingerkuppen gesetzt werden sind über zerbrechliche Gliederketten an einem ebenfalls silbernen Armband am Gelenk festgehalten. 
spazio reificato

Spazio Reificato deals with the subject of occupying space.
Spazio Reificato" setzt sich mit dem Thema der Raumeinnahme auseinander.

The design Spazio Reificato occupies the space around it and serves to empower women or persons in low positions of power. 
It occupies the space both materially and immaterially.
The fabric panels, positioned like wings, fan out from the shoulders to the back, acting as a physical extension of the body. The boundary of the body's surface is crossed and with it the space boundary, for the space intended for women.
The immaterial occupation of space takes place through light radiation and acoustics, an amulet amplifies the voice.
Der Entwurf "spatio reificato" ergreift den Raum um sich herum und dient der Ermächtigung von  Frauen, bzw. Personen in niedrigen Machtpositionen. 
Es nimmt den Raum sowohl materiell als auch immateriell ein.
Die Stoffbahnen, die sich, positioniert wie Flügel, von den Schultern aus nach hinten fächern, fungieren als physische Erweiterung des Körpers. Die Grenze der Körperoberfläche wird überschritten und damit auch die Raumgrenze, für den für die Frau vorgesehenen Raum.
Die immaterielle Raumeinnahme findet durch Licht-Strahlung und Akustik statt, ein Amulett verstärkt die Stimme.
liåsson

"Liåsson" is a non-discriminatory furniture that invites people of all sexes to anal penetration.
"Liåsson" ist ein diskriminierungsfreies Möbel, welches Menschen aller Geschlechter zur Analpenetration einlädt.

The final object Liåsson is designed to bring all the genders together on a unified level of power. 
It is intended to dissolve "natural" sexuality as a manifestation of power, namely the order that is considered natural, whereby the man is the active part of penetration and the woman the passive part. The anal penetration is possible regardless of gender and is to be de-demonized by the innocent appearing design. 
The object has the dimensions of a standing stool, so that the seat is only just below the height of the behind. Thus the proximity and therefore the hesitation to sit down can be overcome quickly.
Das finale Objekt Liåsson dient der Zusammenführung aller Geschlechter auf eine gemeinsame Machtebene. 
Es soll die „natürliche“ Sexualität als Machtmanifestation auflösen, nämlich die als natürlich geltende Ordnung vom Mann als aktiven Teil der Penetration und der Frau als passiven Teil. Die Analpenetration ist geschlechtsunabhängig möglich und soll durch die unschuldig anmutende Gestaltung entdämonisiert werden. 

Das Objekt hat die Dimensionen eines Stehhockers, sodass die Sitzfläche nur kurz unterhalb der Gesäßhöhe liegt. Somit ist die Nähe und damit die Hemmschwelle sich zu Setzen schnell zu überwinden.
zur Gestaltung


The objects are based on BDSM products and deal with gender-specific behavior. BDSM stands for flexible, broken up power relations. Two design have been created  for the empowerment of the "weak" sex, two designs for the disempowerment of the "strong" sex and a final draft that brings all sexes to one level. 
The designs are intended to illustrate the flexibility of existing power structures and to encourage the modification of one's own position of power.

As soon as the "strong" and the "weak" gender can no longer be defined, the hierarchy underlying the binary gender system is broken down and no longer leads to one-sided discrimination. 
The designs focus on the symbolic and formal-aesthetic functions of objects, consciously disregarding the practical function. The goal is to put attention on the meaning of symbols, forms and colors.

While this project has its starting point in questioning the power differences between the sexes, the results are to be viewed from an intersectional perspective. The power relations in every interpersonal relationship are questioned.


Die Objekte sind angelehnt an BDSM-Produkte und setzen sich mit geschlechtsspezifischem Verhalten auseinander. BDSM steht für flexible, aufgebrochene Machtverhältnisse. Es sind zwei Entwürfe zur Ermächtigung des „schwachen“ Geschlechts entstanden, zwei Entwürfe zur Entmächtigung des „starken“ Geschlechts und ein finaler Entwurf, der alle Geschlechter auf eine Ebene bringt. 
Die Entwürfe sollen die Flexibilität von bestehenden Machtstrukturen verdeutlichen und zur Modifikation der eigenen Machtposition anregen.
Sobald man das „starke“ und das „schwache“ Geschlecht nicht mehr definieren kann, ist die dem binären Geschlechtersystem zugrunde liegende Hierarchie aufgebrochen und führt nicht mehr zur einseitigen Diskriminierung. 
Die Entwürfe legen den Fokus auf die symbolischen und formalästhetischen Funktionen von Objekten, wobei die praktische Funktion bewusst außer Acht gelassen wird. Ziel ist es dadurch die Aufmerksamkeit auf den Bedeutungsgehalt der Symbole, Formen und Farben zu richten.

Während dieses Projekt seinen Ausgang in der Ingfragestellung der Machtunterschieden zwischen den Geschlechtern hat, sind die Ergebnisse aus einer intersektionalen Perspektive zu betrachten. Es werden die Machtverhältnisse in jeder zwischenmenschlichen Beziehung in Frage gestellt.

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